Ärzte müssen Schwule und Lesben behandeln

Sacramento (pte) – Ärzte in Kalifornien dürfen sich nicht weigern, Schwule und Lesben zu behandeln, nur weil ihre religiöse Einstellung dieses verbietet. Dies hat gestern, Mittwoch, der kalifornische Supreme Court http://www.courtinfo.ca.gov entschieden. Geklagt hatte Guadalupe T. Benitez, eine an der Westküste lebende homosexuelle Frau, die mit ihrer Partnerin durch künstliche Befruchtung ein Kind bekommen wollte. Dazu hatten sich die beiden Frauen legal Spermien besorgt. Wie die Los Angeles Times berichtet, habe sich ihre behandelnde Gynäkologien aber geweigert diese Prozedur vorzunehmen. Denn ihre Religion würde ihr verbieten, dies bei unverheirateten heterosexuellen Frauen und Homosexuellen zu machen, heißt es als Begründung. “Der erste Verfassungszusatz auf freie Ausübung der Religion befreit Ärzte nicht davon, Antidiskriminierungsvorschriften einzuhalten”, erklärte Richter Joyce L. Kennard bei der Urteilsverkündung.

In einer ersten Reaktion zeigte sich Robert Tyler, Generalratgeber von Advocates for Faith und Freedom http://www.faith-freedom.com, bestürzt über das Urteil. “Es wird der radikalen Opposition viele Anhänger bringen und sie bei den Wahlen im November pushen.” Die Opposition hat sich zum Ziel gesetzt, die erst im Mai abgeänderte kalifornische Verfassung wieder zu ändern. Nach jahrelangem Streit hatte damals das oberste kalifornische Gericht mit vier zu drei Stimmen entschieden, dass das Verbot von gleichgeschlechtlichen Ehen verfassungswidrig ist. In der Folgezeit wurden zahlreiche liberale Gesetze zur Gleichstellung von Schwulen und Lesben verabschiedet.

Auch konservative Klinikärzte äußerten sich kritisch über das neuerliche Urteil. Es würde viele Ärzte vor die Gewissensfrage stellen, ob ihre religiösen Ansichten oder ihr Berufsethos wichtiger sind. Von daher empfahlen sie verunsicherten Kollegen im Zweifelsfall Patienten an Kollegen zu verweisen, von denen sie wissen, dass diese derartige Behandlungen vornehmen. Auch religiöse Gruppen, darunter jüdische und islamische Gemeinden sowie Anhänger der Liberatarier, die sich für die freie Entfaltung des eigenen Willens einsetzen, riefen Ärzte auf, sich nicht von ihrer religiösen Einstellung abbringen zu lassen.

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